Antworten unseres Bürgermeisters Dr. Timo Czech auf Fragen der Naturschutzverbände BUND & NABU

Der Kreis Düren will ab 2035 klimaneutral sein, die Kreisverwaltung ab 2025. - unterstützen Sie das?

Die Gemeinde Nörvenich ist seit vielen Jahren im Klimaschutz überaus aktiv, wenngleich dies erst seit dem Aufkommen der Klimabewegung starke öffentliche Beachtung findet. Diese Aktivitäten umfassen unter anderem die Ausweisung von Windenergievorrangzonen, die Installation von Photovoltaik auf gemeinde-eigenen Dachflächen, die energetische Sanierung gemeindeeigener Gebäude, die Nutzung von Elektro- und Wasserstoffmobilität im gemeindeeigenen Fuhrpark, das Neupflanzen unzähliger Bäume und Sträucher, die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft im Hinblick auf die dauerhafte Bindung von CO² im Boden und vieles mehr. Dass wir unsere Bürgerinnen und Bürger beim Klimaschutz erfolgreich mitnehmen, sehen Sie auch daran, dass die meisten Anträge aus dem 1.000-Bäume-Programm des Kreises Düren aus der Gemeinde Nörvenich kommen.

Ich begrüße es, wenn andere sich genauso anstrengen wie wir in der Gemeinde Nörvenich, einen wertvollen Beitrag zur Rettung des Weltklimas zu leisten. Ob es dazu einen formalen Beschluss der kommunalen Vertretung mit einer Jahreszahl als Ziel braucht, muss unser Gemeinderat entscheiden. Für mich zählt das Handeln, daran werden wir gemessen. Papier ist geduldig.

Kein Klimaschutz ohne Erneuerbare Energien... Wie wollen Sie PV-Anlagen fördern?

Die Gemeinde Nörvenich hat alle Dächer von gemeindeeigenen Gebäuden auf Photovoltaikeignung geprüft und bereits vor zehn Jahren alle diese Gebäude mit Photovoltaik belegen lassen. Eine kürzlich erfolgte Überprüfung hat ergeben, dass die inzwischen verfügbaren leichteren PV-Module zur PV-Eignung eines weiteren Gebäudes geführt haben und der Rat hat dann sofort entschieden, dort auch eine PV-Anlöage zu installieren. Für private Haushalte hat der Kreis Düren mit dem 1.000-Dächer-Programm zusätzlich zu anderen Programmen eine Förderkulisse aufgelegt, welche auch die Gemeinde Nörvenich über Umlagezahlungen mitfinanziert.

Ohne den Ausbau der Windenergie keine Energiewende.

In der Gemeinde Nörvenich gibt es eine Vielzahl von Windrädern. Bestehende Windkraftkonzentrationszonen sind voll. Die Ausweisung weiterer Zonen würde keinen Sinn machen, weil die Deutsche Flugsicherung GmbH, die am Fliegerhorst Nörvenich ein Drehfunkfeuer betreibt, aus Gründen der Flugsicherheit Abwehrrechte geltend
macht. Dennoch verfolge ich den weiteren Ausbau der Windenenergie, jedoch in einer weniger konfliktträchtigen Weise: wir befinden uns in weit fortgeschrittenen Gesprächen mit einem Spin-Off der Stanford-University, denen es gelungen ist, für vertikale Windräder mit einer Bauhöhe von nur 24 Metern das Problem der bisher fehlenden Wirtschaftlichkeit zu lösen. Aktuell bemühen wir uns um exakte Windmessungen und Windrichtungsaufzeichnungen in dieser Höhe, um den idealen Standort zu finden.

Stürme, Starkregen, Dürren, Hitzewellen nehmen zu- Wie wollen Vorsorge unterstützen?

In unserem größten Neubaugebiet, dem Vicus-Quartier in Nörvenich, welches wir zusammen mit einem Investor im Jahr 2021 an den Start bringen wollen, ist neben vielen Freiflächen, zahlreichen Bäumen (Stadtgrün) auch für viele Häuser die Dachbegrünung vorgesehen.
Im Bereich unserer Neffelbachaue führen wir gemeinsam mit dem Erftverband ab 2021 eine sehr große Renaturierungsmaßnahme durch, welche die Artenvielfalt erhöhen und den Hochwasserschutz deutlich verbessern wird. Am Neffelbach bauen wir zudem mehrere Regenrückhaltebecken und eine Oberflächenwasserbehandlungsanlage. Zudem belohnt unsere kommunale Satzung zur Beseitigung von Niederschlagswasser Flächenentsiegelungen und bietet daher Privaten einen echten Anreiz dazu.

Wohnen/Arbeiten soll ab 2035 klimaneutral sein

Wir haben zwei Sanierungssatzungen erlassen und arbeiten an einer dritten. Sanierungssatzungen eröffnen den Immobilieneigentümern im Sanierungsgebiet sehr erhebliche Steuervorteile für Maßnahmen der energetischen Sanierung in Anspruch zu nehmen. Dies flankiert die wohl bekannten Maßnahmen der KfW im Bereich der Förderung klimaneutralen Bauens.

Klimaneutrale Mobilität ist auch im ländlichen Bereich unabdingbar...Tempo 30 + Radverkehr etc.?

In allen 14 Orten der Gemeinde Nörvenich gilt auf allen Anliegerstraßen bereits seit rund 20 Jahren Tempo 30. Nachdem im Hauptort Nörvenich bereits vor vielen Jahren eine erste öffentliche Elektroautoladestation aufgestellt wurde, haben wir dort die erste Smart-Pole-Laterne der Region gebaut: Unten E-Auto-Ladestation, oben Straßenlaterne und Sender für freies W-Lan. In diesem Jahr haben wir begonnen, die Elektroautoladeinfrastruktur weiter auszubauen und die nächst größten Orte, Eschweiler über Feld und Wissersheim mit je einer Ladesäule versorgt. IN den nächsten beiden Jahren wird ein Radweg von Rath nach Nörvenich gebaut und ich arbeite zudem intensiv an einem Radweg von Binsfeld nach Düren und von Frauwüllesheim nach Binsfeld. Wenn diese gebaut sind, werden wir weitere ins Auge fassen und dabei nicht vergessen die vielen vorhandenen Radwege, von denen auch einige in der Baulast des Landes liegen, wo notwendig instand zu setzen. Mobilitätsstationen werden 2021 in Nörvenich, Eschweiler über Feld und Eggersheim errichtet. In Nörvenich entsteht zudem eine EBike-Ladestation und eine öffentliche Fahrrad-Reparaturstation.

z.Z. läuft die Unterschriftenaktion zur „Volksinitiative Artenvielfalt“ NRW

Wir füllen vor Ort schon seit Jahren die meisten Ziele der Volksinitiative mit Leben. Das zeigt, dass ich eher fürs „Machen“ als für „Absichtserklärungen“ zu begeistern bin, auch wenn diese manchmal schon wichtig sind. Was tun wir genau? Wir haben sowohl in der Leader-Region Zülpicher Börde, wie auch mit der Biologischen Station Düren Projekte für die Anlage von Blühstreifen als Nahrung für Insekten. Zumeist kombinieren wir diese mit der Aufstellung von Insektenhotels. Bei beidem unterstützt uns die heimische Landwirtschaft und die Bevölkerung sehr, der ich hier ausdrücklich danken möchte. Die für 2021 vorge-sehene Renaturierung des Neffelbaches mit der Anlage des Bachauenerlebnis- und Begegnungsfeldes zeigt, wie wichtig es uns ist, lebendige Auen und Gewässer zu sichern, zugleich aber auch für die Menschen Natur erlebbar zu machen. Der Nörvenicher Wald ist ein großes zusammenhängendes Naturschutzgebiet. Angrenzend hat der Tagebaubetreiber im Rahmen der Artenschutzmaßnahmen zum Tagebau mehr als 15.000 Bäume gepflanzt – hier entstehen mit dem voranschreitenden Wachstum der Bäume weitere hochwertige Naturräume. Alle Einwohner der Gemeinde haben von der Gemeindeverwaltung kürzlich eine Broschüre bekommen, welche für naturnahe Vorgartengestaltung wirbt. Dieser Broschüre lag eine Saatmischung bei. Wir zäunen ehemalige Kiesgruben mehr und mehr ein, um diese als einzigartige Refugien zu erhalten, aber auch um Gefahren für Menschen auszuschließen. Ich könnte noch viele Beispiele nennen, aber das sprengt hier wohl den Rahmen.

Artenschutz am Gebäude:

An fast allen gemeindeeigenen Gebäuden befinden sich Brutkästen oder artenspezifische Brutmöglichkeiten. Ein Vorzeigeobjekt ist hier unsere Grundschule in Eschweiler über Feld, wo jedes Jahr sehr viele Schwalben unter dem Dachüberstand nisten.

Flächenverbrauch ohne funktionalen Ausgleich.

Die Ausgleichsflächenverordnung macht hier bereits sehr exakte Vorgaben und das Umweltamt des Kreises sorgt hier zusammen mit den Kommunen für naturverträgliche Lösungen. Beispielsweise wird für jedes auf einem Baufeld gesichtete Feldlerchenpaar ortsnah ein Hektar Ausgleichsfläche geschaffen. Wir haben in den vergangenen Jahren in Nörvenich weitere Streuobstwiesen angelegt und werden das auch künftig tun. Zudem ergänzen wir Lücken in den Baumreihen entlang von Wirtschaftswegen oft mit Baumsorten, deren Früchte wichtige Nahrungsquellen für die Tierwelt sind. Um dabei nicht immer auf externe Fachkenntnis angewiesen zu sein, haben wir unser Team im Rathaus um einen Baumsachverständigen verstärkt.

Aktuell macht landwirtschaftliche Nutzfläche rund 80% der Fläche unserer 66 Km² großen Gemeinde aus. Das ist nicht vergleichbar mit urbanen Strukturen in Städten. Mit der Landwirtschaft stehen wir in gutem Dialog zu altbekannten Themen wie dem ländlichen Wegebau, aber auch zu Zukunftsthemen wie beispielsweise Agroforsten
(https://stmk.lko.at/kein-baum-w%C3%A4chst-schneller+2500+3001585)

Über uns

Die Christlich Demokratische Union (CDU) wurde 1945 gegründet. Sie steht für die freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie, für die Soziale und Ökologische Marktwirtschaft, die Einbindung Deutschlands in die westliche Werte- und Verteidigungsgemeinschaft, für die Einheit der Nation und die Einigung Europas.

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